Helios

die Sonne, oder besser, deren Gott; von den Römern Sol genannt. Einst waren auch Hyperion (Sohn der Höhe) und Phoibos (der Glänzende) Namen oder Bezeichungen für Helios, doch wurden sie später nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht. Hyperion galt auch als Helios' Vater, und der Name Phoibos wurde ebenfalls auf Apollon angewendet, der in späterer Zeit als Sonnengott gedacht und auch als Helios bezeichnet wurde, weil er, mit Pfeilen ausgestattet war (den Sonnenstrahlen). Da er alles sah und hörte, wurde Helios auch zum Zeugen bei Eiden angerufen; Demeter versuchte, von ihm den Verbleib Persephones zu erfragen. Er wurde aber als Gott nur wenig verehrt und kommt in der Mythologie, abgesehen von dem Bericht über Phaëton, kaum vor. In dieser Geschichte erscheint Helios als Wagenlenker mit vier feurigen Rossen, der am Tag den Himmel von Osten nach Westen überquert, angekündigt von Eos, der Morgenröte, die ihm vorausfuhr. In späteren Geschichten kehrt er bei Nacht in einer mächtigen goldenen Schale nach Osten zurück, die auf dem Okeanos-Strom, der die Erde umgibt, dahintreibt.

Helios hatte von seiner Frau Perseïs oder Perse eine zahlreiche Kinderschar; außerdem noch viele Geliebte (siehe Heliaden), und verführte auch Leukothoë, indem er ihr als ihre Mutter Eurynome erschien. Klytia, deren Geliebter er davor gewesen war, verriet in ihrer Eifersucht alles Leukothoës Vater, dem König Orchamos von Persien, der daraufhin seine Tochter lebendig begrub. Helios verwandelte Leukothoë in den Weihrauchbaum. Klytia aber schwand dahin und wurde zur Sonnenblume, die mit dem Gesicht dem Lauf der Sonne folgt.

Schuld an Helios' Liebesproblemen soll Aphrodite gewesen sein, die ihm zürnte, weil er ihr Verhältnis mit Ares ausgespäht und ihrem Gatten Hephaistos zugetragen hatte. Einmal half Helios dem Herakles mit der goldenen Schale aus, so daß er auf dem Ozean hinaussegeln und Geryons Herde von der Insel Erytheia holen konnte. Herakles hatte aber bei einer früheren Gelegenheit Helios mit einem Pfeil bedroht, als er durch die Hitze der afrikanischen Wüste wanderte.

Als Zeus die verschiedenen Länder unter den Göttern verteilte, fuhr Helios gerade mit seinem Wagen über den Himmel und bekam daher nichts ab. Zeus gab ihm zur Entschädigung die neu auftauchende Insel Rhodos, wo Helios besondere Ehren genoß und wo drei seiner Enkel, Kameiros, Lindos und Iasylos, über die drei wichtigsten Städte herrschten, die nach ihnen benannt waren. Der Koloß von Rhodos war eine am Hafen aufgestellte, mit einer Strahlenkrone bekränzte Helios-Statue.

Helios stritt sich auch mit Poseidon um Korinth, und der als Schiedsrichter bestellte Briareos sprach Helios die Zitadelle (Akrokorinth) zu. Eine Zeitlang herrschte sein Sohn Aietes über den Ort.


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